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Tierphysiotherapie und -akupunktur
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Physiotherapie

Physiotherapie


Allgemein:

Im Humanbereich ist die physiotherapeutische Behandlung von Sportler eine Selbstverständlichkeit. Auch postoperativ wird die Physiotherapie und Form von Krankengymnastik angewandt, um gestörte Bewegungsabläufe wieder herzustellen oder ihnen vorzubeugen.  

Durch Weiterentwicklungen und allegmeinem Umdenken in der Veterinärmedizin werden nun auch Tiere mit Bewegungseinschränkungen besser betreut und versorgt. Wie beim Menschen  entstehen auch beim Tier Muskelverhärtungen, Sehnenverkürzungen, Wirbelblockaden oder Gelenkversteifungen. Die Physiotherapie bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten dem vorzubeugen oder breits entstandene Schäden zu korrigieren.

Mehr Beweglichkeit und weniger Schmerz bedeuten mehr Lebensqualität und mehr Leistung.

Gerade in der Nachsorge von Sportverletzungen und bei Lahmheiten mit ungeklärter Ursache kann viel getan werden.



Physiotherapie ist keine Knochenbrecherei

Wo genau liegt der Unterschied zwischen Knochenbrechern und Tierphysiotherapeuten? Und wo liegt er zwischen den einzelnen Tierphysiotherapeuten?
Leider gibt es für viele Berufe im Bereich Pferdegesundheit keine staatlich anerkannten Ausbildungen, was die Wahl des passenden Therapeuten nicht gerade einfacher macht. Aber woran erkenne ich denn nun einen guten Therapeuten? Meiner Meinung nach erkenne ich ihn an der Zeit und der Präzision, die er für mein Tier aufbringt.
Allein der Befund beinhaltet eine sehr umfangreiche Betrachtung des Tieres und eine ausführliche Befragung des Besitzers. Die Vorgeschichte des Pferdes ist für die nachfolgende Behandlung sehr wichtig. Ohne die Vorerkrankungen zu kennen, kann es zu Verletzungen des Tieres und zur  Verschlimmerung des Gesamtzustandes kommen! Neben Angaben zu  Futtermengen, Haltung, Herdengröße und Einsatz, ist eine Befundaufnahme zumindest im Schritt und im Trab erforderlich. In der Bewegung lassen sich die Schrittlänge, die Fußung, die Beweglichkeit der Extremitäten und Gelenke, Lahmheiten, Schwung, Elan, ein eventuelles Schmerzenverhalten und Abnormitäten im Bewegungsablauf feststellen.
Danach lässt der Therapeut seine Hände “sehen”. Während er den Körper des Pferdes abfährt, achtet er auf warme und kalte Stellen, Schwellungen, Narben und alle anderen Auffälligkeiten (wie Mauke etc).
Im Anschluss werden die Gelenke passiv durchbewegt, hierbei werden die Bewegungsausschläge im Seitenvergleich betrachtet und auf Reibungen im Gelenk geachtet.
Aus der Gesamtheit dieser Eindrücke ergibt sich der Befund.
Erst durch diesen Befund kann der Therapeut eine sinnvolle und der Gesundheit zuträgliche Behandlung beginnen.
Egal ob es sich um einen Beckenschiefstand, einen gedrehten Wirbel oder eine verspannte Rückenmuskulatur handelt, als erstes MUSS das Gewebe vorbereitet werden. Gerade wenn ein Schiefstand vorhanden ist, hat sich die umliegende Muskulatur an diesen Zustand gewöhnt und arbeitet erstmal gegen die gewünschte Nullstellung. Durch Massage und Dehnungen wird die Muskulatur gelockert, was zum einen das “Einrenken” erleichtert, aber auch den Therapieerfolg festigt, da die Muskulatur nicht gegen die gewünschte Stellung arbeitet, nur um in die gewohnte Stellung zurück zu fallen. Wenn das Gewebe soweit gelockert ist, können Schiefstellungen durch bestimmte Techniken behoben werden. Gerade bei einem Beckenschiefstand sieht man in den Medien häufig das Bild des ruckartig und kräftig am Hinterbein ziehenden Therapeuten.  
Aber schon hier sieht man, dass es bis zu diesem Schritt ein langer Weg ist, und es nicht bei jedem Pferd Sinn macht.
Tatsächlich gibt es sogar Pferde, bei denen es nichts “einzurenken” gibt! Wenn ein Pferd größere Verspannungen oder Verklebungen hat, sind diese durch Massage, Wärmeanwendungen, Magnetfeld und viele andere Therapieformen zu beheben.
Eine weitere Form der Behandlungsmöglichkeit ist die postoperative Therapie. Jeder der schon einmal eine Gliedmaße nicht richtig nutzen konnte weiß, dass die eingeschränkte Bewegung der einen Gliedmaße eine Überbelastung der anderen Gliedmaße(n) zur Folge hat. Hier entstehen wieder schmerzhafte Verspannungen, welche, wie oben erwähnt, vom Physiotherapeuten behoben werden können. Im Fall einer postoperativen Behandlung sei auch die Narbenbehandlung erwähnt. Mit ihr werden Verklebungen der Narbe mit dem darunter liegenden Gewebe verhindert, das Narbengewebe bleibt weich und die Narbe als solches wird nicht wulstig.

Das alles stellt nur einen kleinen Bereich der Physiotherapie dar. In diesem Bereich sind (mit zusätzlichen Fortbildungen) weitaus mehr Dinge möglich, die große Veränderungen bewirken können.
Sicher sind wir Tierphysiotherapeuten keine Wunderheiler, das wollen wir auch gar nicht sein.
Aber wir sind eben auch mehr als “Knochenbrecher”, die einfach nur am Bein ziehen.
In diesem Sinne: mens sana in corpore sano  ( -Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper)

Kirsten Kosmiky